LieLa VorEntwicklungen

Gestalt braucht Raum: hier ist er!

Archiv für Dezember 2010

Versuch über den Eigensinn

Geschrieben von dorothe - 26. Dezember 2010

Was ist er nicht, der Eigensinn…..Eigensinn ist  nicht gleichzusetzen mit Selbstsucht.  Bedeutet nicht, nur sich selbst gelten zu lassen oder die eigenen Interessen auf Kosten der anderen durchzusetzen. Eigensinn bedeutet, den Sinn für das Eigene zu entwickeln. Für das eigene Leben. Mit dem, was persönlich wichtig erscheint. Eigensinn hat die Fähigkeit offen Eigenes kund zu tun. Nicht zu manipulieren. Verbindendes und auch Trennendes anzusprechen. Dem anderen damit Eigenes zu ermöglichen. Offenheit ist eng verbunden mit Eigensinn. Konturen werden sichtbar.  Eigensinn verändert die Qualität von Beziehungen. Menschen, die einen Sinn für das Eigene haben, sind vielleicht ehrlicher. Können sich gegenseitig mehr zumuten. Das schafft Vertrauen. Vertrauen in die Tragfähigkeit von Beziehungen. Eigensinn ist eng verknüpft mit Lebendigkeit. Lebendigkeit – also dem Gefühl für den eigenen Wert, die eigenen Träume, die eigene Freude, die eigene Traurigkeit. Lebendig fühle ich mich, wenn ich mir über das Meine bewusst bin. Wenn ich dafür sorge, dass ich damit in die Welt gehen kann.  Wenn ich meine Stimme finde.  Dann werde ich auch die Stimme des anderen würdigen können. Dann bin ich dem anderen und er mir – ein Gegenüber. Dann ensteht Resonanz.  Gemeinsinn!

“Ihr sollt lernen, ihr selbst zu sein…Ihr sollt verlernen, andere zu sein, gar nicht zu sein, fremde Stimmen nachzuahmen und fremde Gesichter für die Euern zu halten.” Nietzsche

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Das Andere

Geschrieben von stefan - 25. Dezember 2010

Solange das Andere unerkannt bleibt, solange kann Fremdes nicht vertraut werden und sich eine Begegnung, die Neues hervorbringt, nicht ereignen. Manchmal erkennen wir das Andere an seltsamen Orten, ungewöhnlichen Zeiten und in einer Gestalt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Deswegen tun wir gut daran, wach zu bleiben und überraschbar dazu, denn das hilft zu anderen Blickwinkeln zu kommen und unseren eigenen als Unseren überhaupt zu begreifen.

Wesentliche Grundbedingung dabei ist Toleranz.

“Elfjährig, auf dem Gut meiner Grosseltern den Sommer verbringend, pflegte ich mich, sooft ich es unbeobachtet es tun konnte, in den Stall zu schleichen und meinem Liebling, einem breiten Apfelschimmel, den Nacken zu kraulen. Das war für mich nicht ein beiläufiges Vergnügen, sondern eine große, zwar freundliche, aber doch auch tief erregende Begebenheit. Wenn ich sie jetzt, von der sehr frisch gebliebenen Erinnerung meiner Hand aus, deuten soll, muß ich sagen: was ich an dem Tier erfuhr, war das Andere, die ungeheure Anderheit des Anderen, die aber nicht fremd blieb, wie die von Ochs und Widder, die mich vielmehr ihr nahen, sie berühren ließ. Wenn ich über die mächtige, zuweilen verwunderlich glattgebürstete, zu andern Malen ebenso erstaunlich wilde Mähne strich und das Lebendige unter meiner Hand leben spürte, war es, als grenzte mir an die Haut das element der Vitalität selber, etwas, das nicht ich, gar nicht ich war, garnicht ichvertraut, eben handgreiflich das Andere, nicht ein anderes bloß, wirklich das Andere selber, und mich doch heranließ, sich mir anvertraute, sich elementar mit mir auf Du und Du stellte. Der Schimmel hob, auch wenn ich nicht damit begonnen hatte ihm Hafer in die Krippe zu schütten, sehr gelind den massigen Kopf, an den sich die Ohren noch besonders regten, dann schnob er leise, wie ein Verschworner seinem Mitverschwornen ein nur diesem vernehmbar werden sollendes Signal gibt, und ich war bestätigt. – “

Martin Buber, Einsichten. Insel-Verlag, Ffm, 1953, S. 50

K 42

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Banalitäten

Geschrieben von stefan - 19. Dezember 2010

“Auch kein Glück zu haben kann, aus dem Himmel betrachtet, Glück sein. Glück war es für mich, jeden glücklichen Moment zu geniessen, selbst wenn ich mir über die Vergänglichkeit des Augenblicks bewusst bin. Lassen wir die Banalitäten nicht aus dem Blick. Ich habe in den Zeitläufen zeitläufig gewohnt. Heute ist ein am Genuss orientiertes Essen für mich ein schöner Mittag oder Abend. Vielleicht eine Mahlzeit mit einem Gast. Wir  speisen, wir glauben uns zu verstehen und wissen, wir werden uns nicht wiedersehen. Beide wollen wir es nicht.

Aber dieser eine Abend war schön, vielleicht ein Symposion.”

Wolfgang Koeppen

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